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Lexikon · Standards und Schnittstellen

FHIR und HL7 einfach erklärt

HL7 und FHIR sind die Standards, über die Krankenhaussysteme Daten austauschen: HL7v2 als klassischer Nachrichtenstandard, FHIR als ressourcenbasierter, REST-fähiger Nachfolger – und die Schnittstellenschicht, über die ein Klinikinfosystem andockt.

Weiter zu ISiK FHIR ist die technische Basis des ISiK-Standards
Kurzdefinition

HL7 (Health Level Seven) ist eine Familie internationaler Standards für den Austausch medizinischer Daten. Die weit verbreitete Version HL7v2 ist ein nachrichtenbasierter Standard: Ereignisse wie Aufnahme, Verlegung oder Entlassung werden als strukturierte Nachrichten von einem System zum nächsten geschickt. HL7v2 ist seit Jahrzehnten die Standardsprache vieler Krankenhaus-Schnittstellen.

FHIR (Fast Healthcare Interoperability Resources, gesprochen „fire") ist der neuere HL7-Standard. Statt Nachrichten hin- und herzuschicken, stellt FHIR Daten als einzeln adressierbare Ressourcen über eine REST-Schnittstelle bereit – also über dieselbe Web-Technik, die auch normale Web-APIs nutzen. Damit lässt sich ein einzelner Patient, ein Fall oder ein Befund gezielt per Web-Adresse abrufen.

Merksatz

HL7v2 verschickt Nachrichten über Ereignisse. FHIR stellt Ressourcen über eine Web-Schnittstelle bereit. Beide gehören zur HL7-Familie; FHIR ist die modernere, für Web und mobile Anwendungen ausgelegte Generation.

HL7v2 vs. FHIR
Zwei Generationen desselben Standard-Hauses
MerkmalHL7v2FHIR
Grundprinzip Nachrichten zu Ereignissen adressierbare Ressourcen
Transport Nachrichtenkanäle, Segmente REST über HTTPS
Format Pipe-getrennte Segmente JSON oder XML
Einzelabruf nicht vorgesehen per Ressourcen-URL
Einsatzschwerpunkt etablierte Klinik-Schnittstellen Web, Apps, neue Standards wie ISiK

Beide Standards schließen sich nicht aus. In der Praxis läuft in vielen Häusern HL7v2 für etablierte Schnittstellen weiter, während FHIR für neue, web- und app-nahe Anwendungen sowie für den regulatorisch geforderten ISiK-Standard hinzukommt.

Kernressourcen von FHIR

FHIR beschreibt medizinische Sachverhalte als Ressourcen. Wenige davon reichen bereits, um den Alltag einer Station abzubilden:

Patient
Patient. Die Stammdaten einer Person – Name, Geburtsdatum, Identifikatoren. Bezugspunkt für nahezu alle anderen Ressourcen.
Encounter
Encounter. Ein konkreter Behandlungskontakt oder Fall – etwa der stationäre Aufenthalt auf einer bestimmten Station. Hier verankert sich der Behandlungszusammenhang.
DocumentReference
DocumentReference. Ein Verweis auf ein Dokument, etwa einen Arztbrief oder Befundbericht, samt Metadaten und Speicherort.
Observation
Observation. Ein einzelner Messwert oder Beobachtungswert – Blutdruck, Laborwert, Vitalparameter. Die kleinste dokumentierbare Beobachtungseinheit.
Bezug zu ISiK und Klinikinfosystemen

FHIR ist die technische Grundlage des Standards ISiK (Informationstechnische Systeme im Krankenhaus). ISiK legt fest, welche FHIR-Ressourcen ein Krankenhausinformationssystem über definierte Schnittstellen bereitstellen muss – und schafft damit einen verlässlichen Andockpunkt für ergänzende Systeme.

Genau hier setzt ein Klinikinfosystem an: Es tritt nicht als KIS-Ersatz auf, sondern nutzt die standardisierten FHIR-Ressourcen, um eine lokale, schreibgeschützte Projektion der laufenden Fälle einer Station aufzubauen und neue Einträge kontrolliert zurückzuspielen. Wie diese Ergänzungsschicht technisch aufgebaut ist, beschreibt die Seite Architektur dezentraler Klinikinfosysteme.

FHIR und HL7 sind Austauschstandards, kein Produkt. Ein Klinikinfosystem ist eine Ergänzungsschicht auf diesen Standards, kein Ersatz für das führende Krankenhausinformationssystem.

Weiterführend